ihr kommt sicher nicht drauf, wo ich gerade sitze...heute morgen bin ich aufgestanden und es hat mich geradewegs in meine alte kirche gezogen, in der ich konfermiert worden bin. nun sitze ich hier und mache mir gedanken...es ist wunderschön still, ich höre nur das tippen meiner tasten und ab und zu ein knarzen, dass von der bänken oder von der orgel kommt.
ich hab schon lange nichtmehr so eine stille erlebt, mitten in der stadt...ich bin früher oft hier hergekommen um nachzudenken, nicht weil es ein "heiliger" ort ist, eher wegen der stille...für mich ist kein ort heiliger als der andere...den das "heilige", wenn man es so bezeichnen möchte, liegt in einem selber...schon komisch, dass das sowenige leute verstanden haben...und das hier niemand ist...
warum baut man solche "festungen"...es ist fast, als wollten sich die leute an einem luftschloss festhalten, ihre gedanken auf etwas physisch fassbares projezieren. ist es nicht verwunderlich, dass viele alten kirchen als eine art "festung" gebaut worden sind. ein schutz nach aussen, doch durch diesen schutz bleiben auch wichtige gedanken ausserhalb und eine eingeschlossene gesellschaft, altert schnell.
warum versucht man sich an etwas übernatürliches zu klammern...ja gottheiten sind so alt, wie der mensch selber, aber hat er immer noch nicht begriffen, dass wir die werkzeuge sind? ich denke gott ist nicht das, was über uns schwebt, sondern es ist vernunft und tatkraft, was in unserem herzen, verstand und händen liegt.
oh man...jetzt red ich auch noch über gott...ich weiß nicht...ein heikles thema, dem ich immer aus dem weg zu gehen versuchen, vorallem, wenn mich jemand fragt: "hey glaubst du an ihn?"...was soll man da drauf bitte sagen...meiner meinung nacht ist das keine ja/nein fragen...eine frage, die man nicht mit einer einfachen einsilbigen wort beantworten kann. ich denke es ist vielmehr ein zwischenspiel zwischen: "mhh..da wird was sein" und "übernatürliches wesen? komm hör auf"
das ist wie die gaussche glockenkurve..es gibt ein paar, die garnicht dran glauben, ein paar die ohne zweifel dran glauben und ein großer mittelteil, der sich nicht sicher ist, es aber auch nicht ausschliessen möchte...
ich möchte mich in dieses religionsgetue nicht einklinken...um "gottes" willen, wie man doch so schön sagt...jeder soll sich seine meinung drüber bilden und ich will hier nicht beeinflussen...mir ist das egal und ich mag jeden, so wie er ist.
sooo und nun werde ich mich auf den weg machen...es wird kalt hier...riesen raum, der ungeheizt ist und ich sitz auf steinstufen *brrrr*
eine freundin meinte mal zu mir: "die welt eines anderen zu betreten, ist wie eine entdeckungsreise...jeden tag entdeckst du mehr...aber ohne einen führer, oder wenigstens karte und kompass, bist du in den weiten der gedankenwälder, tiefen schluchten und kleinen buchten verloren".
das hat mich darauf gebracht nicht ziellos in mir zu suchen und zu wühlen...ich brauch eine karte...ja ich brauch eine karte um in mir zurechtzukommen. also versuche ich karten zu zeichen...man könnte sich nun lange mit einem therapeuten über so ein thema unterhalten...aber ich denke, texte und musikstücke sind immer noch die besten karten, die man für die menschliche psyche finden kann. ich höre mir viele meiner alten aufnahmen kann...ich lese viele meiner alten briefe, die ich bekommen hab und geschickt hab und schau wie ich mich fühle und doch kann ich mir keinen reim auf alles machen...noch kann ich mich nicht ergründen...ich werde mich wahrscheinlich nie vollständig finden.
ich bin seltsam und das werde ich wohl immer sein.
jeden tag hab ich das gefühl man redet hinter meinem rücken über mich, selbst bei weltfremden leuten...deswegen fühl ich mich so wohl in aller stille ohne menschen...man kann es gut als menschenallergie bezeichnen...ich hab angst, bei zuvielen leuten, ich werde nervös, schwitze und tauche ab, tauche ab in meine welt voller zahlen und gleichungen.
Ich kenne mich selber nicht...ich weiß nicht wer ich bin...manche leute kaufen sich in solch einer krise einen porsche oder lassen sich vollaufen...doch das bringt nichts, das betäubt nur das gefühl oder kompensiert es. ich viel lieber ziehe die stille vor, die stille zu "hören" die um einen ist, wenn man mittem im wald liegt und keinen reden hört, keinen lachen hört und keinem etwas schuldig ist. ich habe versucht vielen diesen ort der stille zu zeigen, doch bisher ist mir nur eine mehr als einmal gefolgt und ich war wirklich glücklich...niemand nach ihr und niemand vor ihr hat mich so verstanden und war doch so anders als ich...
viele leute interressieren mich nichtmehr...ich bin alleine...eine freundin meinte zu mir: "wenn du dich wieder so abschottest, dann kann dir diesmal keiner helfen".
ich weiß...will ich, dass mir jemand hilft?
es gibt tage, da muss ich alleine sein, und es gibt tage, da kann ich nicht alleine sein...doch bisher hab ich nur sporadisch spuren neben mir im schnee entdeckt...und keiner der mich wirklich ein langes stück begleitet hat.
hab ich freunde? ich weiß es nicht...ich weiß nicht, was ich glauben soll und wem ich vertrauen soll...werd ich verrückt?
jean paul meinte einst: "gehe nicht, wohin der weg führen mag, sondern dorthin, wo kein weg ist und hinterlasse eine spur".
doch das ist verdammt schwer. immer wieder sackt man im morrast des lebens ein und muss sich freikämpfen. aber sobald du stehn bleibst, versinkst du nur noch mehr und am ende wird man von dem großen ungeheuer schicksal verschlungen.
ich kann nicht stehn bleiben, ich muss immer weiter laufen:
"der Ursprung des daseins, ist die bewegung. folglich kann es darin keine bewegungslosigkeit geben, denn wäre das dasein bewegungslos, so würde es zu seinem ursprung zurückkehren, und der ist das nichts. deshalb nimmt das reisen nie ein ende" - Kitab Al-Isfar.
wie recht er doch damit hat. ich dachte ich hätte ein zuhause gefunden...einen ort, den ich "mein zuhause" nennen kann, doch was bedeutet es, zuhause zu sein...ich tu mir schwer, wirklich zu sagen, dass ich "nach hause" fahren...wo ist mein zuhause?...da wo ich herkomme? ich würde sagen, ein zuhause ist ein ort, an dem man sich wohl fühlt, wo man unbedingt wieder hin will...doch was ist dann zuhause für mich, wenn es mir egal ist wo ich bin, wo ich schlafe...ob ich unter irgendeinem felsvorsprung übernachte oder in einem luxusbett bei fremden leuten.
fragen über fragen, die sich in meinem tagebuch sammeln und wahrscheinlich nie wirklich beantwortet werden...
ich weiß nicht, warum ich das alles in diesen blog hier schreibe...vielleicht als eine art befreiung, eine art: "hey leute, schaut mal, so gehts mir...hey leute schaut mal, habt ihr nen rat?" oder einfach nur als art hilfeschrei ein meinung zu hören, etwas von ausserhalb meiner welt zu hören, dass mich aufweckt aus meinem dornrösschenschlaf.
als ich noch ein kleiner junge war, so 13-14 und als ich noch ein fleissiger schüler in der musikschule war, hat mich meine damalige klavierlehrerin ein stück namens "november" von wolfang fuchs spielen lassen, womit ich sehr begeistert war, weil die art, mit der er seine gefühle dieses monats räbergebracht hat, einfach nur grandios waren.
seitdem bin ich immer wieder auf der suche nach stücken gewesen, die eben monate ausdrücken.
irgendwann dachte ich mir, warum suchen...ich schreib es selber und so hab ich mich ans klavier gesetzt, mir ein thema von "andrei ghiaus" hergenommen und ein stück improvisiert...es heißt "chanson d'octobre modifie" weil es auf dem ursprungsstück von andrei basiert: "chanson d'octobre", wo mir aber nicht alles wirklich gefallen hat und ich deshalb nur das thema verwendet habe :) (sorry andrei)
ich hoffe es gefällt ein paar leuten
Nachdem es schon eine lange Zeit her ist, dachte ich mir, dass ich mal wieder etwas hochladen sollte. Also ist hier mal eine neue Aufnahme, die aber schon etwas zurückliegt.
Keine Slam Aufnahme. Die ist eigentlich für eine CD gedacht...das ist auch kein Slam-text.
Ich werde hier auch weiterhin Texte und Aufnahmen hochladen, auch, wenn ich nur noch seltener auf die Bühne gehen.